Machu Picchu – im Himmelreich der Inkas..

Ausgerüstet mit meinem kleinen Rucksack, mit Gepäck für die nächsten zwei Tage, mache ich mich auf zu einem besonderen Ausflug. Ich werde mir die Stadt Machu Picchu ansehen und erfülle mir damit einen lange gehegten Lebenstraum.

Voller erlebnishungriger Vorfreude besteige ich den kleinen Bus im Zentrum Cuscos, der mich in circa 7 Stunden an den Bestimmungsort bringen wird. Die avisierte Fahrtzeit macht mich zunächst ein wenig stutzig, denn die beiden Orte trennen nur ungefähr 100 km Luftlinie. Grund für die verhältnismäßig lange Dauer ist die extrem kurvenreiche Strecke, die notwendige Bewältigung zweier Bergpässe und teilweise der Straßenbelag.

Jeder Minute des Mitschaukelns im Bus lohnt sich. Es wird die für mich bisher wohl schönste Fahrt meiner Reise. Mal durchqueren wir eine Hochebene, dann geht es in enge Serpentinen den Berg hinunter. Mühsam arbeitet sich das Gefährt auf der anderen Seite des weit ausufernden Tales wieder hinauf. Aber das sich dabei bietende Panorama ist einfach atemberaubend.

Die Straße an den sehr steil aufsteigenden Flanken der Berge wirkt winzig. Bei größerer Höhe stelle ich dann fest, dass dieser riesig geglaubte Steinhaufen nur ein Vorposten viel höherer Berge ist. Die dann selbst von dahinter ruhenden, schneebedeckten Giganten in den Schatten gestellt werden. Dazwischen Flüsse und üppige Flora und Fauna. Die Anden ganz, ganz malerisch!!!

Bei Annäherung an den Zielort mit Namen Hidroelectrica biegen wir auf eine Sandpiste ab, die sich entlang fast senkrecht abfallender Hänge, teilweise nur einspurig und ohne jegliche Sicherung, in Richtung der Häuseransammlung windet. Ein bisschen mulmig wird mir schon, aber ich vertraue auf die Fahrkünste des sehr vorsichtig agierenden Chauffeurs.

Hidroelectrica hat eigentlich nur eine Funktion: es ist Bahnhof für die Züge in das circa 11 km entfernt liegende Aguas Calientes, das Touristenzentrum unterhalb Machu Picchus. Ich beschließe, die als teuerste Zugfahrt der Welt geltende Strecke morgen auf dem Rückweg zu genießen und mache mich zu Fuß auf den Weg entlang der Gleise. Ein idyllischer Wanderweg entlang eines sich zwischen den Bergen windenden Flusses mit süßem Duft von Pflanzen und sagenhafter Ruhe. Die vielen Moskitos nehme ich gar nicht wahr, erwarte ich doch hinter jeder Kurve einen ersten Blick auf die Stadt in den Wolken zu werfen zu können. Ich werde belohnt.

Nach sehr gemütlichen zweieinhalb Stunden Wanderung, einem Picknick mit Blick auf die Terrassen und erste Gebäude von Machu Picchu, und einigen Begegnungen mit den Luxuszügen, die sich mittels lautem Signal ihre Gleise zurückholen und die Wanderer von dem verpassten Komfort ins Schwärmen bringen, erreiche ich dann Aguas Calientes. Hier kaufe ich mir gleich auf Anraten des Hotelpersonals ein Ticket für den Bus, der mich am nächsten Tag zur Pforte des Himmelsreichs kutschieren soll. Mich sicher wähnend, dass ich mir so eine sehr lange Wartezeit erspart habe, stärke ich mich mit einer Alpaka-Fleisch-Pizza, schaue mich noch ein wenig in dem sehr touristischen aber gelungen gestalteten Dorf um und gehe sehr früh zu Bett.

Bereits um 4 Uhr am Morgen, in noch völliger Dunkelheit, finde ich mich an der Bus-Station ein. In meiner Einschätzung, dass eineinhalb Stunden vor Abfahrt des ersten Busses die Schlange der mit bereits einem Ticket versehenen Wartenden nicht allzu lang sein dürfte, liege ich absolut falsch. Über mehrere 100 m gedulden sich die Touristen, teilweise schon seit 2h30. Zwar ist die Schar, die täglich zu einem Besuch des Himmelreiches zugelassen ist, auf 2.500 beschränkt, aber für mich fühlt es sich so an, als ob alle schon in der Schlange versammelt sind.

Für Machu Picchu kann man unterschiedliche Tickets erwerben. Ich habe mir den mit allen Rechten ausgestatteten Eintritt, inklusive der Besteigung des Montaña Machu Picchu und seine weltbekannten Postkartenmotive, gesichert. Nur 400 Personen dürfen die Extra-Höhenmeter innerhalb eines vorher gewählten Zeit-Fensters erklimmen. Da meines um 7h beginnt und ich absehen kann, dass ich mit dem Bus nicht zur genannten Stunde die historischen Gemäuer erreichen werde, entscheide ich mich für den Aufstieg zu Fuß.

Nach 90 Minuten, davon circa 60 auf einer stetig steil nach oben gehenden und sehr unregelmäßigen Steintreppe, Teil des Inka-Pfades, gelange ich an mein Ziel. Die Überwindung der 390 Höhenmeter ist trotz aller Anstrengung ein Genuss. Alleine schon durch das traumhafte Panorama der Berge in der aufgehenden Sonne werde ich mehr als entlohnt. Und dann ist es soweit. Ich betrete Machu Picchu.

Nach einem kleinen Rundgang mache ich mich auf zur Besteigung des Stadtberges. Wegen der ersten, ungeplanten Wanderung werden die weiteren 650 Höhenmeter zu dem Gipfel allmählich qualvoll und die Pausen auf der teils nicht ungefährlichen Steintreppe immer länger. Mir wird klar: den Gipfel werde ich heute nicht erreichen. Stattdessen gibt es die erste Mahlzeit mit atemberaubender Aussicht. Und passender Musik, die ich über sehr guten und vollkommen „Inka-typischen“ Internetempfang abspiele. Als dann noch zwei Kondore, Symbole des Glücks, mit ihr weit ausgebreiteten Flügeln über mir kreisen, ist dieses perfekt.

Vollkommen beseelt und frisch gestärkt kehre ich in die weit unter mir liegende Stadt in den Wolken zurück. Diese zeigen sich aber an diesem Tag so gut wie gar nicht und bei strahlendem Sonnenschein entdecke ich all die schönen Paläste, Tempel, Arbeits- und Wohnstätten. Das architektonische Können, die Höhlen, Altare, Terrassen, die unglaubliche Inka-Brücke etc. ziehen mich tief in ihren Bann und ich vergesse in dem Himmelreich der Inkas die Zeit.

Aber auch der schönste Besuch sollte ein Ende haben. Schließlich möchte ich heute noch nach Cusco zurück. Am Eingang Machu Picchus stelle ich fest, dass sich die gleiche Schlange, wie jene am Morgen, auf den Bergrücken repliziert haben muss . Mir dämmert, dass ich den Zug, der mich von Aguas Calientes nach Hidroelectrica bringen soll, wahrscheinlich verpassen werde. Nachdem ich in meinem Reisepass den Besuch amtlich gemacht habe, verlasse ich die sagenhafte Bergsiedlung. Gerne wäre ich noch viel länger geblieben.

Mit mittlerweile schweren Beinen mache ich mich eilig an den Abstieg auf dem Inka-Pfad. Glücklicherweise geht es fast ausschließlich bergab und ich benötige nur eine Stunde für den Weg. In Aguas Calientes trete ich dann an den Schalter, wo mir der sehr freundliche Mitarbeiter mitteilt, dass auch nicht ein Ticket zu kaufen sei. Der nächste Zug ist für mich keine Option, erreicht dieser den Busbahnhof viel zu spät. Mit nur wenig Hoffnung, den Bus nach Cusco zu erreichen, mit mittlerweile sehr schweren Beinen, insgesamt 1.800 Höhenmetern in den Knochen und dem immer schwerer werdenden Rucksack mache ich mich im Trab auf die 11 km lange Strecke. Und tatsächlich erreiche ich, völlig erschöpft aber überglücklich, den auf mich wartenden Bus und lasse mich in den Sitz fallen.

Aber nur für kurze Zeit. Auf der einspurigen Straße verfehlt der Busfahrer eine Fahrrille und kommt dem Abgrund gefährlich nahe. Teilweise durch die Fenster verlassen die anderen Fahrgäste und ich den Bus und beobachten, wie das Gefährt sich immer weiter an den Abgrund manövriert. Nur mit vereinten Kräften schaffen wir es, den Bus wieder in die vorgesehene Bahn zu drücken. Die restliche Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle und spät in der Nacht erreiche in den zentralen Platz der einstigen Inka-Hauptstadt (siehe auch Auf den Spuren der Inkas in Cusco..).

Doch statt eines der zahlreichen und sehr günstigen Taxis zu nehmen, geht es zu Fuß zu meiner Unterkunft. Die paar Meter schaffe ich dann auch noch, frei nach dem Motto „Endlich mal ein bisschen laufen“! Im Bett meinen erschöpften Körper ausstreckend, wechsele ich sehr schnell von dem Himmelreich der Inkas in das Reich der Träume. Was für ein unvergesslicher Tag!

Zeit, diesen Marathon-Marsch und vor allem die zahlreichen, unglaublich schönen und mich sehr glücklich stimmenden Momente und Eindrücke, die Erfüllung eines Lebenstraums zu verarbeiten, habe ich auf der fast 24 stündigen Fahrt in die Hauptstadt. Es geht für mich nach Lima.

Ich werde berichten..

Euer Thilo


7 Gedanken zu “Machu Picchu – im Himmelreich der Inkas..

Hinterlasse einen Kommentar